PETAmon

Heute möchte ich von einer Welt reden, die nicht unsere Welt ist – obwohl viele von euch sie sicherlich kennen. Es ist eine grausame Welt, in der die Tiere brutal von den Menschen unterdrückt werden. Sie zwängen die armen Wesen in viel zu enge Behausungen und lassen sie nur heraus, um sie gegen andere Tiere antreten zu lassen – entweder, damit ihr eigenes Tier stärker wird, oder aber um das andere Tier einzufangen und ebenfalls für diese grauenvolle Vergnügung auszunutzen. An die Gefühle der Tiere wird dabei nicht gedacht, im Vordergrund steht ausschließlich der kranke Spaß ihrer Besitzer.
Zumindest möchte uns PETA die Welt der „Pokémon“-Spiele so vermitteln.

Die PETA („People for the Ethical Treatment of Animals“, also „Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren“) ist eine weltweit operierende Tierschutzorganisation, die sich gegen den Genuss von Fleisch, das Tragen von Leder und Pelz, das Qäulen von Tieren und mehr einsetzt. Vor allem die ersten beiden Ziele mag nun jeder anders beurteilen, aber im Grundsatz dürften sich die meisten sicher einigen können, dass der Schutz von Tieren eine noble Sache ist. Also ist PETA eine tolle Organisation, die man unterstützen sollte… richtig?
Nun, wie so ziemlich überall gibt es hier Schattenseiten – wobei es eher so aussieht wie ein riesiger Schatten, der sich mit künstlichem Licht schmückt. Wer sich mit dem Thema bereits einmal auseinandergesetzt hat, kennt vielleicht die Internetseite PETA Tötet Tiere, die die Zahlen der von PETA eingeschläferten Tiere dokumentiert und so zeigt, dass rund 90% aller von PETA aufgenommenen Tiere nicht vermittelt oder an andere Tierheime weitergegeben, sondern getötet werden.
Und auch sonst gibt es genug Aktionen, mit denen PETA sich unbeliebt macht – wie zum Beispiel ihre Kritik an die Welt der Videospiele.

In dieser Richtung hat PETA schon häufiger Aufmerksamkeit erregt, etwa mit Spielen wie „Tofu Boy“ als eine Reaktion auf „Meat Boy“ – ein Internet-Flashspiel, in dem man einen Fleischklumpen spielt, was angeblich den Verzehr von Fleisch gutheißen soll. Ein etwas neueres Beispiel wäre auch „Mario Kills Tanooki“, das zur Veröffentlichung des Nintendo 3DS-Spiels „Super Mario 3D Land“ erschien und kritisierte, dass Mario als Kostüm das Fell eines Marderhundes tragen kann. In beiden Spielen (und auch den anderen Spielen, die man auf der PETA-Website finden kann) werden die „Vorbilder“ parodiert und vor allem im zweiten Beispiel weitaus brutaler dargestellt, als sie tatsächlich sind. Nun hat PETA ein neues Spiel herausgebracht – „Pokémon Black and Blue“ als Antwort auf die nun erscheinenden Titel „Pokémon Schwarz & Weiß 2“.
Während die einen also in freudiger Erwartung ihr Geld herausholen, um sich die neuen Teile der bekannten Videospielreihe zu holen, andere überhaupt kein Interesse daran haben und wieder andere die Spiele zwar gerne hätten, allerdings nicht über die finanziellen Mittel verfügen (schnüff…), hat PETA anscheinend die Nase voll von diesen gewaltverherrlichenden Teufelswerkzeugen, wie sie mit ihrer Parodie zum Ausdruck bringen wollen. Ich möchte mich hier erst einmal auf diese Parodie konzentrieren – weniger aber auf den Inhalt, sondern mehr auf die Idee an sich (auch, wenn natürlich inhaltliche Elemente vorkommen werden).
Damit ihr euch aber erst einmal selber ein Bild davon machen könnt, findet ihr das Spiel hier.

PETA spricht mit dieser Parodie die grausame Haltung von Tieren an, die in den „Pokémon“-Spielen anscheinend allgegenwärtig ist – ich werde PETAs Schilderungen nun nicht übertrieben darstellen und somit als lächerlich kennzeichnen, um euch meine Meinung aufzudrücken und damit auf meine Seite zu ziehen. Das war ja schon der Inhalt des ersten Absatzes. In einer etwas realistischeren Einschätzung sehe ich, dass PETA befürchtet, dass durch den Umgang mit den Pokémon den Kindern beigebracht wird, dass dieser Umgang normal ist und auch auf reale Tiere angewendet werden kann. Und diese Befürchtung ist natürlich vollkommen…
… Okay, ich bekomme es nicht hin. Ich versuche, es realistisch zu sehen. Ich versuche, es von einer anderen Perspektive zu sehen. Ich versuche, es gut zu finden – aber ich komme nicht darum herum, dass die Aktion lächerlich ist! Natürlich ist Tierquälerei eine furchtbare Sache und sollte bestraft, besser noch verhindert werden. Aber sollte man dazu nicht viel eher in der Realität ansetzen, als eine fiktive Welt zu verteufeln? Kein Kind wird durch das Spielen von „Pokémon“ zu einem grausamen Tierquäler – wenn die Handlungen im Spiel so sehr für bare Münze genommen werden, hat das Kind vermutlich ohnehin keine normale Psyche. Der Gedanke, dass man durch diese sogar sehr unschuldig gemachten Spiele zu solch grausamen Taten verleitet wird, ist noch weiter hergeholt als das altbekannte „Killerspiele machen Jugendliche zu Amokläufern“.

Schauen wir uns zum Vergleich doch einmal an, was denn überhaupt in den Spielen vorkommt – welche brutalen Stellen gibt es denn da so, die so schädlich für die Kinder sein sollen? Ich sehe kein Blut, keine Strafe für die Pokémon… Im Grunde weist nichts darauf hin, dass die „Gefangenschaft“ für die Pokémon eine brutale Qual ist, wie es in PETAs Parodie dargestellt wird. Im Gegenteil: Es gibt sogar ein Zuneigungssystem! Durch Kämpfe, Training, et cetera bekommt man Zuneigung von den Pokémon, sie mögen einen also – für mich nicht wirklich ein Zeichen dafür, dass die Pokémon voller Hass leiden müssen. Außerdem deutet alles darauf hin, dass die Pokémon ohnehin zum Kampf geschaffen sind – beinahe all ihre besonderen Fähigkeiten, die sie von den gewöhnlichen, langweiligen Tieren unserer Welt unterscheiden (ich versuche immer noch, meiner Katze Flammenwurf beizubringen), sind ausschließlich für den Angriff da. Und Angriff gibt es genug, immerhin werden die Trainer ja von den Pokémon angegriffen, wenn sie im hohen Gras herumlaufen. Man kann also nicht so argumentieren, dass das alles bloß der Verteidigung dient.

Ich könnte fortfahren, aber man sieht, wohin diese Diskussion führt – man nimmt die Spiele einfach viel zu ernst. Letzten Endes ist „Pokémon“ bloß ein Videospiel – dort fängt man zwar Tiere und lässt sie gegen andere Tiere antreten, aber das stellt in keinster Weise Tierquälerei dar, geschweige denn, dass es in irgendeiner Hinsicht brutal wird. Im Gegensatz übrigens zu der Parodie, in der die Pokémon schwer verletzt und blutend gezeigt werden. PETA stellt die Pokémon sogar als Versuchsobjekte der Menschen dar, was in den Originalspielen nie erwähnt wird.
Und das ist es, was mich an der Sache am meisten stört – nicht, dass jemand versucht, mit einer bekannten Videospielreihe Aufmerksamkeit für ihre Tierschutzzwecke zu bekommen oder das sie die Spiele dafür viel zu ernst nehmen und gleichzeitig alles, was ihrer Meinung widerspricht, ignorieren. Am meisten stört mich, dass es von dieser heuchlerischen PETA kommt. Ich erwähnte schon weiter oben „PETA Kills Animals“, doch es reicht schon, wenn wir uns weiter auf diesen Videospielbereich beschränken – ein weiteres Spiel von PETA war beispielsweise „Cooking Mama: Mama Kills Animals“. In einem Wortwechsel mit den Machern der originalen „Cooking Mama“-Videospielreihe (in der man unter Anleitung der „Mama“ kochen beigebracht bekommt, wozu natürlich auch Fleischgerichte gehören), bezeichnete PETA selbst ihr eigenes Spiel als „fröhliche Parodie“ (originaler Wortlaut: „lighthearted parody“). Ich habe das Spiel angefangen, und meine erste Aufgabe war es, einem toten Truthahn die Federn auszurupfen. Während ich also mit der Hand (die wie in den Originalspielen die vom Spieler gesteuerten Handlungen ausführt) die Federn entfernte, lief mir das frische Truthahnblut über eben diese Hand. Das ist nichts, was ich eine „fröhliche Parodie“ nenne.
Ich bekomme oft genug den Eindruck, dass PETA in Wirklichkeit kein Interesse an den Tieren hat, sondern nur umgekehrt den Menschen in seiner Lebensqualität beeinträchtigen möchte – Terrorismus unter einem noblen Deckmantel. Ich weiß nicht, ob ich das besser finden würde als die wahrscheinlichere Möglichkeit, dass es ihnen tatsächlich um die Tiere geht und sie tatsächlich glauben, so die Menschen erreichen zu können. In beiden Fällen ist es nicht akzeptierbar – PETA arbeitet mit kriminellen Organisationen zusammen, die illegale Tierbefreiungen durchführen. PETA macht häufig den Eindruck, dass ihr Bild einer idealen Welt nur zugunsten der Tiere und zulasten der Menschen entstehen kann.
Tierschutz ist meistens eine tolle Sache – er kann aber auch eine schlechte Sache sein, wenn wir ihn auf den falschen Wegen durchführen. Und meiner Meinung nach bietet uns PETA ein perfektes Beispiel dafür, welche Wege wir nicht gehen sollten.

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