Essay: Todesstrafe

Ein Aufsatz zum Thema „Todesstrafe“, den ich für den Philosophieunterricht schreiben sollte (was ich auch am Abend vor der Abgabe dann getan habe *hüstel*). Ich möchte darauf hinweisen, dass ich nicht zwangsläufig die hier dargestellte Meinung vertrete – es ging mir nur darum, einen halbwegs ordentlichen Text zu schreiben, damit ich nichts schlechteres als eine Drei bekomme. (Faszinierenderweise habe ich sogar eine Eins bekommen. Yay.)


Todesstrafe

Wir haben im Philosophieunterricht ausführlich über das Thema „Todesstrafe“ gesprochen. Neben einigen Textbeispielen und einer Fernsehdiskussion haben wir auch persönlich über das Erlauben und das Verbieten der Todesstrafe diskutiert. Alles in allem scheint die Frage nach dem Für und Wider an dieser Stelle eine weitaus schwierigere zu sein, als ich zunächst annahm – wenn ich den Gedankengang verfolge, ob und warum Todesstrafe erlaubt werden sollte oder nicht, lande ich stets an einige Punkte, an denen ich an meiner eigenen Meinung zweifeln muss und mir meiner Argumente nicht mehr sicher bin. Aber beginnen wir mit der Argumentation an sich:

Da die Todesstrafe ja als Mittel der Wiederherstellung von Gerechtigkeit dienen sollte, wäre es wichtig, zu wissen, ob sie denn in dieser Funktion überhaupt eine merkbare Wirkung hat. Wenn wir zum Vergleich jeweils ein Land mit und ohne Todesstrafe heranziehen – in diesem Fall Deutschland und China -, erkennen wir, dass zumindest in diesem Fall die Todesstrafe keinen ausreichenden Abschreckungseffekt hat – in einigen Punkten übersteigt die chinesische Kriminalitätsrate die deutsche sogar bei weitem! So kamen beispielsweise in Deutschland im Jahr 2011 etwas mehr als 2 Mord- oder Totschlagsfälle auf 100.000 Deutsche, in China rund 32 – man kann in diesem Beispiel also schon nicht davon sprechen, dass die Todesstrafe ihren Zweck zur Verhinderung von Verbrechen erfüllt.

Ein anderes, ebenfalls im Unterricht angesprochenes Problem ist das der Resozialisierung des Täters. Entzieht man dem Täter statt des Lebens „nur“ die Freiheit, so geschieht das auch in Hinblick auf seine hoffentliche Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Das eingangs erwähnte Problem ist hierbei, dass viele Straftäter selbst nach Absitzen ihrer Freiheitsstrafe unter Umständen keine Chance mehr auf gesellschaftliche Akzeptanz haben, geschweige denn eine Wiedereingliederung. Bei einem mehrfachen Mörder ist die gesellschaftliche Ächtung unabhängig von der psychologischen Betreuung, die man unter Umständen zwischendurch erhalten hat, selbstverständlich sehr groß, und entsprechend kann man an vielerlei Stellen auch erwarten, so behandelt zu werden – die Chancen für einen Beruf sinken stark, wenn in der Bewerbung etwas so Unangenehmes wie eine Haftstrafe angegeben wird, da – abgesehen von möglichen Rückfallbedenken des Arbeitgebers – die Firma oder der Betrieb auch daran denken muss, wie sie von außen hin aufgenommen wird; die Einstellung eines ehemaligen Kriminellen könnte sich von daher schädigend auswirken.
Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass ein Leben nach der Entlassung aus der Haft nicht möglich ist – ein meiner Meinung nach sehr aussagekräftiges Beispiel ist Ntobeko Peni, der wegen des Mordes an der 26-jährigen Amy Biel verhaftet wurde und nach vier Jahren begnadigt wurde. Inzwischen arbeitet er dafür, dass Leute mit dem gleichen Hintergrund wie er eine bessere Bildung und Perspektive bekommen, damit sie ein solches Verbrechen nicht auch verüben – und dazu arbeitet er vor allem an der Seite der Eltern des Opfers. Beispiele wie dieses finden sich noch häufiger, und an ihnen lässt sich erkennen, dass eine Besserung durchaus möglich ist – eine Todesstrafe hätte vielleicht das Rachegefühl gestillt, aber um das Verbrechen „wieder gut zu machen“ kommen die Aktionen des rehabilitierten Täters weitaus näher.

Der Effekt, den eine Sühne neben der Abschreckung haben soll, ist die Ausgleichung der Gerechtigkeit. Hierfür lassen sich keine Zahlen und Fakten herantragen, da es der Meinung jedes Einzelnen überlassen ist, ob er die Todesstrafe als gerechten Ausgleich empfindet. Ich vertrete den Standpunkt, dass beispielsweise ein ausgelöschtes Leben nicht durch das Auslöschen eines weiteren Lebens ausgeglichen wird, eher noch bin ich der Meinung, dass eine solche Straftat nicht ausgeglichen werden kann.

Wenn ich die Argumente alle abwäge, komme ich letzten Endes zu dem Schluss, dass ich Todesstrafe nicht befürworte und für einen Freiheitsentzug bin – ich sehe die Todesstrafe nicht als geeignet, ein Verbrechen zu sühnen.
13. November 2012

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