Die Zeitreise des kleinen Mannes

Nach mehreren erschöpften Versuchen schaffe ich es endlich, im Dunkel des späten Abends den Schlüssel ins Schloss zu stecken und die Tür zu öffnen. Ich bin am Verhungern, aber bevor ich etwas esse, ziehe ich mit erleichterndem Gefühl die Arbeitsklamotten aus und schlüpfe in meine Schlafkleidung: Jogginghose und T-Shirt. Ein himmlisches Gefühl nach acht Stunden Schicht.

Leise, ohne jemanden im Haus wecken zu wollen, mache ich mir die Reste vom Mittagessen warm, verschwinde auf mein Zimmer, lege mich mit dem Teller in mein Bett und schalte den Computer ein. Während er hochfährt, geht mir durch den Kopf, worum ich mich am nächsten Tag vor der Arbeit kümmern muss. Ich muss zu meiner Zeitarbeitsfirma, mich um die eigene Wohnung kümmern, eine Überweisung tätigen, mich hier und dort melden… Ich seufze. Ist das schon dieses „erwachsen sein“? Oder kommt danach noch mehr? Wie sollte ich das jemals schaffen?

All diese Gedanken blende ich aus, als mein Desktop endlich erscheint. Freudig nehme ich mir meinen Teller und starte die nächste Folge „Kim Possible“ auf meinem Nostalgietrip, gepaart mit einer gewissen Sucht nach Torrents.

Die Sorgen eines Erwachsenen sind nun für eine kurze Zeit aufs Eis gelegt, denn für die nächsten zwanzig Minuten darf ich noch einmal kurz Kind sein.

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